Die Geschichte des Keramikgrills

Der Kamado, wie wir ihn heute kennen und für sein einmaliges BBQ-Erlebnis schätzen, ist gerade einmal gut 100 Jahre alt. Und ohne die im Nachkriegsjapan stationierten US-Soldaten hätten wir wohl auch nie etwas von den Keramikgrills aus Fernost erfahren.

Das wäre schade gewesen, denn als vielseitiges Gargerät für das Grillen, Smoken, Backen, Kochen, Braten und Schmoren sucht der Kamado seinesgleichen. Aber die Wurzeln des Keramikgrills reichen noch viel weiter zurück. Komm mit uns auf eine spannende Zeitreise.

 

Alles begann mit einem Loch

Seit über einer Million Jahren nutzt der Mensch das Feuer zum Garen von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln. Schon im Neolithikum vor über 50.000 Jahren bauten unsere Vorfahren dazu erste Feuerlöcher. Dabei kleideten Sie den Boden und die Seiten mit flachen Steinen aus und umbauten den Rand ebenfalls mit Steinbrocken, um das Feuer vor Wind zu schützen. Vermutlich erkannten die Menschen schon damals, dass der Stein zudem gut isoliert und zum Speichern von Wärme taugt.

Später versahen die steinzeitlichen BBQ-Profis die Innenseiten ihrer Feuerlöcher mit Lehm und Ton, um die Steinkonstruktion zu verstärken. Da nun auch nach oben hin schmaler zulaufende Öfen möglich waren, konnten sich die Menschen schon vor einigen zehntausend Jahren die Prinzipien von Wärmeübertragung und Reflektion zunutze machen.

 

Von Mesopotamien und Indien nach China

Machen wir einen Zeitsprung in eine Zeit um 3.000 v. Chr. Die Flusszivilisationen am Indus hatten die Konstruktionen ihrer Vorfahren längst zu einem Hightech-Produkt der frühen Zivilisationskultur entwickelt. Heute wissen wir durch Keilschrifttafeln von den ersten Tandurs. Damit aber noch nicht genug.

Denn einige dieser Keilschrifttafeln beherbergen wohl das erste „Keramikgrill-Kochbuch“ – wenngleich der Ofen vorrangig zum Brotbacken diente. Parallel entwickelten die bereits vor über 10.000 Jahren in der Keramikfertigung geübten Chinesen eine Feuerschale „ding“ zum Kochen von Reis. Während der Qin-Dynastie um 200 v. Chr. entstand darauf der erste Reisdampfer, der Yan-Dampftopf.

 

Der Keramikgrill in der japanischen Kultur

Über den Umweg China gelangte das Prinzip für den modernen Kamado nach Japan. Vor allem in der Konfu-Zeit (ca. 250 bis 538 n. Chr.) adaptierten die Japaner zahlreiche Technologien und Errungenschaften aus China. Aus dem Yan-Dampftopf entwickelten die Japaner den Kamado. Übersetzt bedeutet Kamado im Übrigen so viel wie „Kochfeuer“ beziehungsweise „Ort des Kessels“.

Anders als heute war der Kamado damals jedoch fest im Haus eingelassen und verfügte über einen Auslass für den Rauch. Seither steht der Kamado vor allem für die Zubereitung von Reis im Zentrum der japanischen Küche. In der Edo-Zeit (ca. 1608 bis 1868 n. Chr.) erhielt der Kamado in Form des „Mushi-Kamados“ seine heutige Form inklusive Deckel. Gebrannt wurde der erste Mushi-Kamado in der bis heute gebräuchlichen Form um das Jahr 1900 in einem Örtchen Namens Hekinan auf der Insel Honshu.

 

Als Nachkriegsmitbringsel in die USA und nach Europa

Dass wir heute unser Grillgut aus dem Kamado genießen dürfen, haben wir einem unrühmlichen Kapitel der Menschheitsgeschichte zu verdanken: dem Zweiten Weltkrieg. Damals waren zehntausende US-Soldaten als Besatzungstruppen in Japan stationiert. Viele tauchten dabei in die feine japanische Kultur ein. Andere wiederum wandelten sie ab.

Der Legende nach soll ein unbekannter US-Soldat den „Reiskocher“ mit einem Rost kurzerhand zum Grill umfunktioniert haben. Damit machte der GI sich die Vorteile von Glut, Konvektion und Kontaktwärme zunutze. Wer den Mushi-Kamado nun mit in die USA brachte, ist unklar. Jedenfalls beginnt an dieser Stelle die Historie zahlreicher Hersteller von modernen Kamado-Keramikgrills aus den USA.

 

Fun-Fact: Parallel entwickelte sich in den USA der Kugelgrill aus Metall.

 

Während die Kamados in den USA in den 1960er- und 1970er-Jahren immer beliebter wurden, gelangen die ersten Keramikgrills erst um das Jahr 2000 herum über den Atlantik. Den Ursprung fand die Kamado-Welle in den Spitzenrestaurants Belgiens und der Niederlande. Heute ist der Hightech-Keramikgrill nicht mehr nur etwas für die Spitzengastronomie, sondern bei uns auch für dich nur ein paar Klicks entfernt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.